Test des Radarquerschnittes bei einer F-35
Foto: Lockheed Martin
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Ebenfalls problematisch sind die verwendeten Materialien. Die Energiereflexion eines Materials ist proportional zur dielektrischen Konstante dieses Materials. Die beste Wirkung erzielen spezielle Schaumstoffe. Ist das Material nur dick genug kommt von der Energie, die eingedrungen ist, gar nichts mehr zurück. Das geringe Echo, dass man dann noch bekommt, stammt von der Oberfläche dieses Materials, da der Übergang zwischen Luft und Schaumstoff nicht fließend erfolgen kann.
Nichts hat nur Vorteile. Die Bewaffnung befindet sich bei den neuen U.S. Jägern in internen Waffenschächten.
Das minimiert die Radarrückstrahlfläche, begrenzt aber gleichzeitig Größe und Stückzahl der Waffen.
Foto: U.S. Air Force
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Denn während ein Bomber noch einen relativ gemäßigten Flugleistungsbereich aufweist, stellt ein Jagdflugzeug vom Typ F-22 oder F-35 ganz andere Bedingungen - muss sich Stealth noch mehr Kompromissen unterwerfen. Die Lufteinläufe wandern von der Oberseite wieder zur Flügelwurzel, Leitwerke bekommen wieder normale Formen und auch Triebwerksauslässe nähern sich wieder dem gewohnten an. Lediglich die Möglichkeit die Bewaffnung in Schächten unterzubringen - wenn auch in einem geringen Ausmaß - ist ein deutlich wahrzunehmender Unterschied. Weniger auffällig aber unter dem Strich genauso wichtig - die bessere Oberflächenverarbeitung durch Vermeidung von Stößen, Nieten und Wartungsklappen.
Zum einen benötigen Stealth-Flugzeuge ungleich mehr Wartung und Pflege als die herkömmlichen Maschinen. Jeder der schon mal gesehen hat wie schnell ein frisch lackiertes Flugzeug an den - auch für die Radarsignatur entscheidenden - exponierten Stellen wie z.B. den Flügelvorderkanten wieder abgenutzt ist, kann abschätzen wie oft und mit wie viel Aufwand hier nachgebessert werden muss.
Zum anderen gibt es auch zum Einfluss des Flugzeugalters auf die Stealth-Eigenschaften keine - zumindest öffentlich bekannten - Studien. Da die Form des Flugzeuges einer der entscheidenden Faktorn für den Radarquerschnitt ist und schon kleine Tolleranzen große Auswirkungen haben können, ist über die Lebensdauer des Fluggerätes auf jeden Fall mit Änderungen der Radarsignatur zur rechnen. Denn die Zelle und auch andere Bauteile benötigen - auch bei Stealth-Maschinen - eine gewisse Elastizität damit bei den auftretenden Belastungen durch Beladung und Flugmanöver keine Brüche auftreten. Die Langzeitwirkung dieser ständig hohen Anforderungen auf die Stealth-Eigenschaften von Jägern und Jagdbombern, die zudem noch höheren thermischen Belastungen ausgesetzt sind, wird abzuwarten sein.
Derzeit ist diese Erfassbarkeit für den überwiegenden Teil der Luftfahrzeuge gegeben - denn es existieren nur 21 Stück der B-2 und 34 operationelle F-117 weltweit. Derzeit ist also eine verschwindende Minderheit an Flugzeugen "Stealth". Steigt dieser Anteil - und davon wird ausgegangen - wird automatisch auch das Bedürfnis größer, die Qualität der Überwachung wieder herzustellen.
Es entsteht also ein "Markt" und es ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass diese Bedürfnisse in irgendeiner Form von der Industrie befriedigt werden. Logischerweise sind diese Bedürfnisse und dieser Markt dort am stärksten korrelierend, wo sich tatsächliche oder erwartete "Reibe-Potentiale" mit den USA ergeben oder ergeben könnten. Somit könnten die enormen Bestrebungen, noch viel mehr "unsichtbare" Flugzeuge zu bauen, bemerkenswerter weise dazu führen, dass an Stealth-Gegenmaßnahmen noch viel stärker gearbeitet wird als davor. Besonders seitens exportabhängiger russischer Firmen und deren Ingenieure - wohlgemerkt nicht als vordergründiger Auftrag des russischen Staates - ist diese Arbeit spür- und merkbar.
"Militärflugzeuge der Zukunft"
Alles nur Utopie?
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Letzte Aktualisierung: 12.06.2003