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Battle of Britain Hall - "Our finest hour"

Vorsicht, jetzt wird's pathetisch-patriotisch. Aber hätten "die Wenigen" die Deutschen 1940 nicht von einer Invasion abgehalten, wer weiß wo wir heute alle wären... Jedenfalls beschäftigt sich diese Halle ausschließlich mit dem Zustand der britischen und deutschen Luftwaffe von 1940 an, also ab der Zeit der Luftschlacht um England. Deshalb finden sich unter dem gewölbten Dach so gut wie alle Flugzeugtypen, die an jener Schlacht maßgeblich beteiligt waren. Vorn am Eingang, hinter dem Foyer, fällt der Blick auf die Überreste einer abgeschossenen Hurricane. "Rolls-Royce", deutlich lesbar wie am ersten Tag, am Ventildeckel des Merlin-Motors. An der Propeller-Nabe die scharfen Splitter der abgerissenen starken Holz-Blätter. Das Cockpit ein wirrer Trümmerhaufen, es steht: Hier starb der Pilot, man kann ihm nur wünschen, dass er sofort tot war. In der langen Halle reihen sich links und rechts des Besucherweges bekannte Weltkriegsmaschinen. Eine frühe Bf-109 E("Emil"), alle anderen heute existierenden sind spätere Versionen. Da ist der offenbar durch verdeckte britische Geheimdienstoperation 1943 ‚erbeutete' Ju 88-R1 Nachtjäger mit Radar, die deutsche Besatzung flog ihn nach England. Ein He 111-Bomber und das einzige Exemplar des zweimotorigen Nachtjägers Me 110G, in Dänemark erbeutet. Auf der englischen Seite finden sich natürlich die Hurricane und die Spitfire Mk.I, auch der leichte Bomber Bristol-Blenheim und sogar die merkwürdig-sinnlose Bolton Paul Defiant mit ihrem drehbaren MG-Turm hinter dem zweisitzigen Cockpit. Auch ein Exemplar der damals schon antiquierten Gloster-Gladiator, eines Jagd-Doppeldeckers in Ganzmetallbauweise, findet sich hier. La Valetta lässt grüßen, dort habe ich die Gladiator - quasi im ‚Tabernakel' der Insel - schon mal gesehen. Drei davon, ‚Faith', ‚Hope' und ‚Charity', waren im Juni 1940 für 17 Tage die einzige Luftverteidigung Maltas. Der ebenfalls ausgestellte - einzige - "Stuka", eine Ju-87D-5, wirkt aber nicht so bedrohlich, wie man ihn sich früher vorgestellt hatte. Im Obergeschoss steht der fette Göring a la Madamme Tussauds und ein Bilder-Memorial an handelnden Personen. Alle Stunden gibt's eine 9-min. Multimedia-Show über die "Finest Hour", ich schaue auf die Uhr, es ist 37 vor. Keine Zeit mehr, Hetzerei wie immer - wir müssen heute noch zurück nach Wien.


Bf110G4/R6 Nachtjäger

Daimler Benz DB605A Flugzeugmotor

Am 09.05.1943 wurde diese Ju 88 R-1, Werknummer 360043, (ein C6-Nachtjäger mit BMW-Motoren) mit der Kennung D5+EV, von seiner Besatzung des IV. / NJG 3 von Kristiansand in Norwegen nach RAF Dyce, in der Nähe Aberdeens, geflogen. Die Beschriftung im Museum besagt, dass es sich dabei um eine geplante Aktion britischer Dienste gehandelt hat. So wurde die Maschine auch von Spitfires nach Dyce eskortiert, der deutsche Bordfunker war "nicht kooperativ" und kam in ein normales Luftwaffe-Gefangenenlager, die beiden anderen Flieger bleiben in der Erläuterung unerwähnt... Für die Briten war das Flugzeug für ein paar Monate von großem Interesse bezüglich der deutschen Radartechnik, war es doch - ganz zufällig - mit dem Telefunken FUG 202 "Liechtenstein SN-2" ausgestattet... Unter der RAF-Kennung PJ876 wurde die Ju 88 einer intensiven Flugerprobung unterzogen und flog beim RTTE in Boscombe Down und bei verschiedenen Testeinheiten. Seit 1979 ist die Maschine in Hendon ausgestellt.

Bf109E-4 - Die "109" war der meistgebaute Jäger des dritten Reiches.

Über 1.000 He 111 nahmen an der Luftschlacht um England teil.

Der beühmte Ju87 "Stuka" Sturzkampfbomber.

Reste einer abgeschossenen Hurricane.

Als am Höhepunkt der Luftschlacht um England Reichsmarschall Göring den Major Galland (später General der Jagdflieger) fragte, wass er zum niederkämpfen der Inselverteidigung benötige, soll dieser um eine Staffel Spitfire gebeten haben.

Am Eingang plötzlich Kinderstimmen um mich herum: Eine Gruppe von Acht- bis Zehnjährigen, jedes der Kinder hält ein Clip-Board des Museums mit einem Fragebogen: eine Art Quiz. Aha, Kinderführung. Ich blicke von oben auf eines der Boards: Was war der Unterschied zwischen der V 1 und der V 2? Warum konnten die Deutschen 1940 nicht die Luftherrschaft über England erringen? Welches war der beste Jäger in Afrika?, Schau an: Me-109. Welcher war der meistgebaute Düsenjäger?, Aha: MiG-21. Was ist Europas Kampfflugzeug der Zukunft ? Erfreut liest man: The Eurofighter-Typhoon. Was kommt nach dem Harrier ? Klar: The F-35 JSF. Also, diese Führung wäre bei uns so wohl schwer vorstellbar. Und: was würden unsere Pädagogen, der Stadtschulrat, ja "das" Kleinformat sagen, würde man Schulkinder (zu Weichnachten) in ein ‚grundschlechtes' Kriegsmuseum schleppen? Ich oute mich als Österreicher und frage die junge - natürlich rothaarige - Lady des Museums, die mit den Kindern unterwegs ist, kurz danach: "Violence?, Militarism? Of course not that for, but they have to learn balanced heritage anyway!" ist die Antwort mit spitzer Stimme und deutlicher Stirnfalte...

Wieder daheim...:

"Balanced Heritage", hm... Was ist das eigentlich, Hr. Spitzenkandidat ? Sie wissen's nicht ?
Naja, es gilt da eben nicht nur in der "Tube" die Durchsage: "Mind the Gap...!"

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