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The Bomber-Hall - "On Target"

Wir gehen nun wieder zurück, entlang der "Milestones of Flight" und in den bisherigen Gebäudekomplex hinein. Hier war ich schon mal, manche Leser wahrscheinlich auch. Daher sei hier nur auf einige Exponate ausführlicher und nicht auf jedes Baumuster eingegangen.
Das größere der beiden parallelen Gebäude ist innen deutlich dunkler gehalten, das ist die Halle des Bomber-Command der RAF. Ein Tafel belehrt uns gleich ausführlich über dieses Memorial an die 131.000 alliierten Bomber-Besatzungsmitglieder die 1939-1945 über Europa ihr Leben verloren. Als erstes stößt man aber auf eine Hawker-Siddeley Buccaneer aus dem zweiten Golfkrieg, perfekt in schutzigem ‚Hamp', dem sandbraun-rosa Outfit von 1991. Gleich danach erweckt der Anblick der originalen Lancaster, mit ihrem geöffneten Bombenschacht vielfältige Gefühle. Besonders hoch erscheint das Flugzeug, selbst heute. Oben links, unter dem Seitenfenster des Piloten, zeichnen 137 aufgepinselte Bombensymbole die Maschine als jene mit der zweithöchsten Zahl von Lancaster-Einsätzen über dem besetzten Europa aus. Darunter das bekannte Göring-Zitat "Feindliche Bomber werden niemals das Reichsgebiet überfliegen...". Verderben genug hat es über Deutschland gebracht - aber das war eben die Reaktion auf Coventry und London. "Gut dass Österreich zu weit ab für das englische Nachtbombardement lag", sage ich zu meiner Frau. Auch die Eder- und Möhnetalsperre fielen ihm zum Opfer. Barnes Wallis, dem Konstrukteur der rotierenden Prallbombe und der 617th "Dambuster"-Sqn. ist ein eigener Raum gewidmet, überall laufen Videos oder interaktive Screens. Über 3.600 Lancaster mit über 30.000 Mann Besatzung seien verlorengegangen, erfährt man u. A. darauf.


Im Rahmen der Erneuerungsarbeiten kam auch diese Hawker Siddeley Buccaneer S Mk.2B in die Bomber-Hall. Auch schon über 20 Jahre alt, flog die Maschine 1991 in der Number 12 Squadron während "Desert Storm" noch 11 Missionen über dem Irak, als Zielbeleuchter für die Tornados aus Muharraq und Dahran. 12 Buccaneers flogen zwischen Feburar und März 1991 216 Einsätze. Das ist die erste Maschine aus "Operation Granby" die ihren Weg in ein Museum gefunden hat.

Auch ein He 162A "Salamander" ("Volksjäger") hat seinen Weg aus der Hinterbrühl nach Hendon gefunden. Als Notprogramm zu Kriegsende sollte dieses Flugzeug in Massen produziert werden und von, zum "Volksjäger-Kampfpiloten" ausgebildeten, Hitlerjungen die alliierte Luftüberlegenheit brechen.
Ein völlig absurdes Programm. Am 8.September 1944 wurde das Pflichtenheft veröffentlicht, 22 Tage Später Heinkel mit der Produktion beauftragt. Am 6.Dezember 1944 startete der Prototyp in Schwechat. Bis Februar 1945 waren etwa 100 Maschinen produziert, bis April 45 sollten es 1.000 sein. Für Mai 45 war eine Produktion von 2.000 Stück vorgesehen, wahnwitzige 4.000(!) pro Monat sollten es werden. Im Mai 45 wurde noch die I/JG1 mit der Type ausgestattet - zum Kampf kam es allerdings nicht mehr.
Die nicht vorhandene Entwicklungszeit führte zu völlig unzureichenden Flugeigenschaften. Zumal fliegerisch völlig unerfahrene, kaum ausgebildete Jugendliche damit fliegen sollten. De facto war fliegen mit der He 162A so schwierig und gefährlich, dass selbst nach Kriegsende ein britischer Testpilot beim vierten Flug mit einer Beutemaschine Bruch machte und um's Leben kam.

Diese Lancaster flog 137 Einsätze gegen Hitlerdeutschland.

Der Reichsmarschall wolle "Meier heißen" falls....

Diese Handley-Page Halifax wurde aus dem norwegischen Hoklingen-See geborgen.

Willy's Jeep, B-17 und ‚Irving'-Jacket.

B-17G "Fliegenden Festung"

Fabrik nach Bombentreffern, die schweren Werkzeugmaschinen überstanden meist die Luftangriffe.

Unterer Geschützturm der B-17G

Eine superschwere "Blockbuster" Bombe.

Gleich dahinter markiert eine große England-Karte mit den USAAF Basen zwischen 1941-45 die sog. "Friendly Invasion" der 8. US-Luftflotte. Weiter hinten, in hellem, silbrigem Anstrich eine gut erhaltene B-17G, der "Fliegenden Festung", die zu Tausenden in Tagesangriffen deutsche Industriestädte in Trümmer legte, von Italien aus auch bei uns. Die Maschine hier war bis 1982 Löschflugzeug in Kaliforniern, flog 1983 noch selbst nach England (zurück) und wurde in Cosford wieder auf Kriegsstandard zurückgebracht. Ein nettes Detail daneben unterstreicht was bloße Preservation von einem modernen Museum unterscheidet. Da ist ein Willy's Jeep mit Fliegerfiguren beim Einsteigen, darauf hängt für den Besucher - auf einem Drahtseil - eine dicke ‚Irving'-Jacket zum anziehen und photographieren. Klasse, machen wir gleich alle drei.
Wir kommen zum gewaltigen, mit Rost überzogenen Rumpf einer Handley-Page Halifax. Er liegt auf dem Bauch und an den Resten seiner löchrigen Flügeln hängen die vier großen Motoren. Die teilweise zerstörte Kanzel wird durch einige Lampen erhellt. Lang hingestreckt, doch von eigenartiger Würde liegt diese Leiche der angeblich letzten Halifax in der Halle. "Warum ist die so kaputt ?" fragt meine Tochter. Hier stehts: Nach einem Angriff auf das deutsche Schlachtschiff "Tirpitz" 1942 von der Flak angeschossen, machte Wk.Nr. 1048 "TL S" auf dem vereisten norwegischen Hoklingen-See eine Notlandung. Von der Besatzung entkamen 5 Mann nach Schweden, der verletzte Bordingenieur geriet in deutsche Gefangenschaft. Die 30m tief gesunkene Maschine wurde im Sommer 1973 gehoben. Drohend wirkte schon die stolz aufgereckte Lancaster, doch noch bedrohlicher dieses Wrack, es vermittelt Schauder und Ergriffenheit - macht uns kurzzeitig stumm.


Aktuelle und historische Lenkbomben.

JP 233 Dispenser für Minen und Suchzündermunition.

Vulcan mit der "Black Buck" Bombenlast des Falklandkrieges.

Vickers-Valiant mit einer nuklearen Abwurfwaffe aus dem kalten Krieg.

Dahinter steht die glänzend-weiße Vickers-Valiant, einer der drei britischen Atom-V-Bomber aus den 50ern, umgeben von konventionellen und nuklearen Abwurflasten. Der linke hintere Hallenteil wird aber von einem wahren Riesen ausgefüllt. Der weitläufige Delta-Flügel scheint kein Ende zu nehmen. Oben in der Mitte, sehr hoch, die stromlinienförmige Kanzel, etwas milchig die Fenster. Es ist natürlich die Avro-Vulcan, "eigentlich ein Gerät von fürchterlicher Schönheit", meinte meine Frau. Allein jedoch dieser Anblick wäre die Fahrt nach Hendon wert gewesen. Genau diese Vulcan spielte eine Hauptrolle im James-Bond-Film Feuerball, da trug sie während eines Übungsfluges zwei taktische Atombomben, die von Phantom (Spectre) geraubt werden, um eine Millionensumme an Lösegeld zu erpressen. "Major Derval, wünschen Sie das Steuer des Co-Piloten zu übernehmen?", vielleicht erinnern sich manche daran. Ich habe den Film früher gesehen, doch mir den großen Delta nicht so riesig vorgestellt. Vorne rundherum ist alles mit der kompletten Bombenlast an 454kg HE-Bombs vollgestapelt, viele Bildtafeln erzählen von Falkland 1982 und der letzten Vulcan-Operation "Black Buck". Hoffentlich schaffen die ‚Royal Lotteries' auch noch die 1 Million £ Funds um XH558, die letzte flugfähige Vulcan in Bruntingthorpe, wieder fliegen zu lassen. Dafür bin ich ein paar Jahre zu spät auf den englischen Airshows eingetroffen. Eine Spendenbox für "Vulcan to the Sky" wird auch gleich gefüttert...

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