Untersuchungsausschuss
betreffend
Beschaffung von Kampfflugzeugen

PROTOKOLL
(verfasst vom Stenographenbüro)

29.05.2007; 18:33 - 18:52; Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar

Obmann Dr. Peter Pilz ersucht sodann darum, als nächste Auskunftsperson Herrn Dipl.-Ing. Jürgen Stockmar in den Saal zu bitten.

(Die Auskunftsperson Dipl.-Ing. Jürgen Stockmar wird von einem Bediensteten der Parlamentsdirektion in den Sitzungssaal geleitet.)

Der Obmann begrüßt Herrn Dipl.-Ing. Jürgen Stockmar als Auskunftsperson, dankt für dessen Erscheinen, weist diesen ausdrücklich auf die Wahrheitspflicht und die strafrechtlichen Folgen einer falschen Aussage hin – eine vorsätzlich falsche Aussage vor dem Untersuchungsausschuss werde gemäß § 288 Abs. 3 des Strafgesetzbuches wie eine falsche Beweisaussage vor Gericht mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe geahndet – und ersucht um Bekanntgabe der Personalien.

Auskunftsperson Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar (Magna Education and Research): Mein Name: Jürgen Otto Paul Stockmar; geboren am 29.12.1941; wohnhaft in 1010 Wien; Beruf: Ingenieur.

Obmann Dr. Peter Pilz: Waren Sie im Untersuchungszeitraum allenfalls zeitweise öffentlich Bediensteter? (Die Auskunftsperson verneint dies.)

Der Obmann erinnert daran, dass auf die Aussageverweigerungsgründe nach § 7 der Verfahrensordnung bereits in der schriftlichen Ladung hingewiesen wurde. Sollte einer dieser Gründe für die Auskunftsperson schlagend werden, könne sie sich an Verfahrensanwalt Dr. Strasser oder an den Obmann wenden, dann werde die weitere Vorgangsweise besprochen.

Der Obmann fragt, ob Dipl.-Ing. Stockmar von der Möglichkeit Gebrauch machen möchte, eingangs eine persönliche Erklärung zum Beweisthema abzugeben, was dieser verneint.

Der Obmann erteilt als erstem Fragesteller Abg. Kogler das Wort.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Ich möchte gleich direkt beginnen: Haben Sie rund um den Zeitpunkt Ihrer Pensionierung einen Vertrag mit dem Land Steiermark oder mit einem Ressort des Landes Steiermark abgeschlossen?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Wir haben per Handschlag meine Aktivität für die steirische Landesregierung, vertreten durch die Steirische Wirtschaftsförderung, abgeschlossen, ja.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Also halten wir einmal fest: Per Handschlag ist abgeschlossen worden. Und wer hat das Land Steiermark vertreten? Der Ressortleiter? Wer war die Wirtschaftsförderung?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Landesrat Paierl, und mein Gesprächspartner in der Förderungsstelle war Dr. Kaltenbeck.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Genau, das war der Leiter der Abteilung.

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Genau, das ist er heute noch.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Genau, der ist noch da; Paierl nicht. – Meine Frage: Was ist da per Handschlag was vereinbart worden? Was war der Vertragsinhalt?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Ich bin von der steirischen Landesregierung, damals vertreten durch den Landesrat Paierl, gefragt worden, ob ich mich bereit erklärte, eine Gruppe aufzubauen, die sich um die Gegengeschäfte im Zuge und im Rahmen des Vertrages Ankauf Flugzeug, Typ war damals nicht relevant, kümmern würde. Und ich habe dazu ja gesagt, denn Sie wissen auch, ich habe gute Beziehungen zur Steiermark, ich habe geglaubt, ich kann auch für die Steiermark dort etwas in dieser Organisation bewegen.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Was war jetzt Ihre genauere Aufgabe? Können Sie das ein bisschen beschreiben? Im Zuge der Gegengeschäfte wollten Sie für die Steiermark was tun? Was ist vereinbart worden mit dem Ressort?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Unsere Aufgabe war klar umrissen, wir haben in mehreren Runden die Aufgabe auch fixiert. Es ging darum, zusammenzubringen die damals noch nicht zusammenarbeitenden Organisationen in der Steiermark, insbesondere Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer, Steirische Wirtschaftsförderung, FH Joanneum innoregio. Und auch aus diesen Organisationen, die ich gerade genannt habe, kamen dann Vertreter in die Gruppe, die wir zunächst einmal „Offset Styria“ als Arbeitstitel genannt haben.

Wir haben insbesondere versucht, Stärken-Schwächen-Analysen des Landes Steiermark zu erstellen. Wir haben es geschafft, dass die bis dahin nicht kompatiblen Daten und Dateien der genannten Organisationen zusammengeführt wurden, sodass wir ein einheitliches Bild hatten, wir haben immer gesagt, eine Stärkenkarte der Steiermark. Wir haben ein System damals erarbeitet, wie wir insbesondere KMUs unterstützen können bei ihren Bemühungen, Gegengeschäfte mit EADS zu lukrieren, denn die Arbeit war so ... Ich weiß nicht, wer sich von Ihnen einmal so einen Antrag für ein Gegengeschäft angeschaut hat, der hat einen Umfang von 20 bis 40 Seiten, insbesondere auf Englisch, und wir wollten die KMUs dabei unterstützen.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Der Reihe nach. Sie haben da ein paar Initiativen zusammengebracht, aber zunächst: Ist dieser Vertrag honoriert worden? (Dipl.-Ing. Stockmar: Ja!) – In welcher Höhe ist der honoriert worden?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Arbeitstäglich 1 000 €.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Pro begonnenem Arbeitstag 1 000 €.

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Ja, nachdem ich immer aus Wien angereist bin, war es immer ein ganzer Arbeitstag.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Ja, ja, das wollen wir glauben. Also 1 000 € pro Arbeitstag – und das haben Sie mit Handschlag vereinbart, haben Sie gesagt.

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Ich bin sicher, da gab es dann hinterher auch noch einen E-Mail-Austausch, wobei ich gleich sagen muss, nach einem totalen Computer-Crash habe ich überhaupt keine Unterlagen mehr, zumindest keine Mails, die ich damals geschickt oder empfangen habe. Das müsste an anderer Stelle sicherlich noch vorhanden sein.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Die Akten des Landes Steiermark liegen hier nicht vor, aber das ist nicht weiter tragisch im Moment, wo Sie sich ohnehin erinnern können.

Wie viele Arbeitstage haben Sie dann im Zuge dieses handschlaglich vereinbarten Vertrages dann tatsächlich geleistet und verrechnet?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Wenn ich mich richtig erinnere – ich müsste in meine Steuerunterlagen schauen, weil das Geld ja dann auch noch versteuert werden musste –, waren das zehn Arbeitstage insgesamt.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Zehn Arbeitstage waren das. Sagen Sie, auf welchen Zeitraum hat sich das erstreckt?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Über ein Jahr. Wobei das Schwierigste immer war, die Herren zu einem Termin zusammenzubekommen.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Wurde beim Abschluss des Vertrags per Handschlag eine bestimmte Zeitdauer avisiert? (Dipl.-Ing. Stockmar: Nein!) – Man hat also einfach die 1 000 € pro Arbeitstag festgelegt?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Nein, nein! Wir haben gesagt, wir werden versuchen, diese Arbeitsgruppe – das war ja ganz klar als Arbeitsgruppe damals tituliert – dann in eine Gesellschaft zu überführen. Wir haben es so weit geschafft, zumindest den Entwurf eines Gesellschaftsvertrages zwischen den einzelnen Gruppierungen, die ich gerade genannt habe, mit Hilfe von Rechtsanwälten zu erstellen. Dann ist es zur Bildung der Gesellschaft nicht gekommen, weil damals die Industriellenvereinigung Steiermark ihre Mitarbeit an der Styria Offset aufgekündigt hat, weil die Landesgruppe Wien die Arbeiten übernommen hat. Die Wirtschaftskammer hatte damals gerade eine große Umgruppierungsaktion. Sie sah sich nicht in der Lage, Büro, Sekretärin, Gehalt für einen neu einzustellenden Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen.

Ich hatte von Anfang an gesagt, lasst uns das mit der Wirtschaftsförderung alleine machen, mir sind zu viele Gruppierungen dort vertreten. Nachdem ich größten Wert auf Effizienz in meiner Arbeit lege, habe ich damals gesagt, ich sehe keine Chance, dass wir effizient weiterarbeiten, lasst das die anderen Gruppen machen, die sich offensichtlich darum reißen, und habe dann meine Arbeit aufgekündigt.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Sie haben von sich aus Ihre Arbeit aufgekündigt (Dipl.-Ing. Stockmar: Ja!), als die Gesellschaft, die avisiert war unter den Teilnehmern, die Sie zusammenbringen wollten, nicht zustande kam.

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Nicht in meinem zeitlichen Rahmen zustande gekommen ist, was aber auch daran liegt – ich muss es noch einmal sagen –, dass insbesondere damals Industriellenvereinigung, auch Wirtschaftskammer von Wien aus die Geschäfte betreiben wollten.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Wann hat sich herausgestellt, dass die Industriellenvereinigung vor allem von Wien aus operieren will?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Das war, wenn ich mich recht entsinne, September 2002.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): September 2002, so früh?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Ja. Ich habe eine Unterlage, da habe ich ein Datum drunter: September 2002. Das war zu einem sehr frühen Zeitpunkt.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Noch einmal: Wann haben Sie dann mit Paierl dieses Abkommen geschlossen?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Ich habe hier einen Entwurfstand September 2002. Ist nicht mein Ausdruck, insofern muss ich einmal davon ausgehen, dass das Datum dort richtig ist.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Also im September 2002 haben Sie erkannt, dass die Industriellenvereinigung Steiermark sich unter dem Hinweis des Engagements der Wiener Gruppe zurückzieht?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Das brauchte ich nicht zu erkennen, das war ja klar.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Ja, und dann ist Ihr Engagement eigentlich schon ausgelaufen? (Dipl.-Ing. Stockmar: Genau, richtig!) – Das heißt, es ging bei Ihrer Beschäftigung lediglich um das Jahr 2002.

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Ende 2001/2002. Und jetzt erklärt sich für Sie auch, warum wir nur zehnmal zusammengekommen sind in der Zeit.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Aber das hieße ja, dass Paierl mit Ihnen die Task Force – wie er es ja selbst immer wieder genannt hat – schon vor der Typenentscheidung avisiert hat?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Vollkommen richtig, ja. (Abg. Dr. Fekter: Da war SAAB auch noch dabei – und Lockheed auch!) Das hatte ich ja eben gesagt: Der Typenentscheid war für uns irrelevant. Der Typenentscheid spielte gar keine Rolle. Egal, welcher Typ gekommen wäre, es wäre gegengeschäftspflichtig gewesen.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): War zu Ihrer Zeit, als dieser Vertrag sozusagen noch im Laufen war, Ihnen etwas von einer Initiative Land Steiermark Eurofighter Offset bekannt?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Das wird wahrscheinlich ein anderer Name sein für das, was wir gestartet haben.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Kennen Sie die Herren Ing. Herk und Dipl.-Ing. Steiner? (Dipl.-Ing. Stockmar: Nein!) – Die haben dieses Konzept entwickelt, das dürfte aber auch nichts geworden sein. Aber es erübrigt sich, da weiterzufragen.

Sagen Sie: Wie hat sich die Vertragsauflösung dann dargestellt? Haben Sie dem Ressortleiter, Herrn Paierl, eine Mitteilung gemacht? (Dipl.-Ing. Stockmar: Ja!) – Und was war seine Reaktion?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Er war enttäuscht. Wir haben ein Gespräch geführt. Er hat dann letztendlich eingesehen, dass unter den gegebenen Umständen, insbesondere Führung des Gegengeschäftes von der Industriellenvereinigung von Wien aus, Unmöglichkeit der Wirtschaftskammer, die notwendigen Infrastrukturressourcen zur Verfügung zu stellen, eine Arbeit nicht effizient sein kann. Und wir haben uns gütlich geeinigt.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Sind Ihnen in dieser Zeit von der Typenentscheidung, also 2. Juli 2002, bis Ende September 2002 besondere Initiativen oder Kontakte gelungen, wo man sagen könnte, jetzt ist im Sinne der Ursächlichkeit ein Gegengeschäft angebahnt, gestiftet worden, also wo nachweislich wäre, dass das Geschäft nur deshalb zustande kommt, weil Eurofighter oder EADS den Zuschlag bekommen hat?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Meine Damen und Herren des Ausschusses, Sie müssen eines wissen: Die wichtigen Umfänge liefen ja von Magna in Graz. Wir hatten die Arbeiten von Magna zum Offset ausdrücklich ausgenommen. Es gab ja von Magna den Herrn Hödl, der sich mit seinem Team darum gekümmert hat. Magna hat ja im Vorfeld, glaube ich, wenn ich mich recht entsinne, größere Umfänge im Rahmen des Offset angekündigt.

Wir haben Vorarbeit geleistet, ich sage es noch einmal, insbesondere für die KMUs. In der damaligen Zeit sind wir zu keinen Abschlüssen gekommen – ich sage dazu: weil die EADS zwar eine große Informationsrunde in der damaligen Zeit in Graz durchgeführt hat, aber auch immer darauf hingewiesen hat: Wir haben bis zum Jahr 2014 Zeit, lasst uns nichts überstürzen, lasst uns die besten Kooperationsgeschäfte gemeinsam aussuchen!

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Haben Sie eine Erklärung dafür, warum dann doch Magna Steyr Fahrzeugtechnik, und zwar die HG & Co KG, eine Reihe von Gegengeschäften im Wert von über 100 Millionen Schilling eingereicht hat und letztendlich auch angerechnet bekommen hat vom BMWA, nachdem man sich ursprünglich zurückhalten wollte, wie Sie gesagt haben? – Das war auch mein Informationsstand.

Dipl.-Ing. Jürgen Stockmar: Nein, noch einmal, das war vielleicht gerade missverständlich von mir ausgedrückt: Magna hat ja die Arbeiten selbst vorangetrieben. Wir haben uns um die Magna-Belange nicht gekümmert, die sind expressis verbis ausgeschaltet gewesen bei uns.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Sie meinen, in der Task Force? (Dipl.-Ing. Stockmar: Ja!) Aber es hat ja auch Pressemeldungen gegeben, dass Magna selber – und Stronach hat das auch hier im Ausschuss behauptet – keine Gegengeschäfte beantragt oder damit nichts zu tun hat. – Haben Sie dazu eine Wahrnehmung?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Da bin ich überfragt.

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Nachdem Sie bis August 2002 aktiv waren, habe ich nur mehr eine abschließende Frage: Die Aktivitäten des damaligen Bundesministers für Finanzen im Kontakt mit EADS sind ja dann über den Ausschuss und aus den Akten heraus bekannt geworden. War das in der Zeit, wo Sie sich beschäftigt haben, irgendwann einmal ein Thema bei Magna, dass der Herr Finanzminister zirka ein Jahr vor Ihrer Aktivität vom Herrn Siegfried Wolf auf Magna-Kosten in ein Flugzeug „verpackt“ und nach Manching transferiert wurde, um dort das Werk zu besichtigen und Paketlösungen zu besprechen?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Das entzieht sich meiner Kenntnis?

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Es ist nie irgendwo darüber reflektiert, gesprochen worden?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Nein. Das höre ich jetzt von Ihnen zum ersten Mal.

Abgeordnete Mag. Dr. Maria Theresia Fekter (ÖVP): Das ist keine Respektlosigkeit, Herr Diplomingenieur, nur: Da geht es um ein steirisches Match, und ich bin Oberösterreicherin. Daher keine Fragen.

Obmann Dr. Peter Pilz: Das ist eine Respektlosigkeit gegenüber der Steiermark, aber das müssen wir einfach so zur Kenntnis nehmen.

Kollege Kräuter, bitte.

Abgeordneter Dr. Günther Kräuter (SPÖ): Ich kann das aushalten – habe auch nur eine einzige Frage: Herr Professor, Sie haben jetzt gesagt, für die Task Force war die Typenentscheidung irrelevant (Dipl.-Ing. Stockmar: Ja!), und haben auch gesagt, Magna wurde ausgenommen (Dipl.-Ing. Stockmar: Ja!), und die KMUs und so weiter standen im Zentrum.

Sie waren am 1. Juli 2002 mit Stronach und Riess-Passer beisammen. Das war einen Tag vor der Typenentscheidung. – Was war da das Thema?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Also ganz sicher nicht. Ich war nie mit der Frau Riess-Passer zusammen.

Abgeordneter Dr. Günther Kräuter (SPÖ): Am 1. Juli 2002 haben Sie sich mit Herrn Stronach getroffen. – Ist das richtig?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Schauen Sie, der Herr Stronach ist damals mein Chef gewesen, es kann durchaus sein, dass ich mich mit ihm getroffen habe. Ich habe mich mit ihm sicherlich nie – und das bestätige ich Ihnen hier noch einmal expressis verbis – über eine Typenentscheidung des Abfangjägers unterhalten. Das war nicht unser Thema.

Abgeordneter Dr. Günther Kräuter (SPÖ): Sie werden verstehen: Wenn Sie sich am Vorabend der Typenentscheidung in Fontana mit dem Herrn Stronach – die Frau Riess-Passer war auch dort – treffen, dann ist der zeitliche Zusammenhang schon sehr, sehr deutlich.

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Ja, jetzt weiß ich, was das für ein Treffen war. Der Stronach saß mit der Frau Riess-Passer da, damals, glaube ich, noch Vizekanzlerin; ich habe mit meiner Frau beim Abendessen gesessen und ich bin dazugegangen.

Abgeordneter Dr. Günther Kräuter (SPÖ): Sehen Sie: Wir sind ja in diesem Untersuchungsausschuss seit Monaten auf der Suche nach dem Rätsel, wie es sein konnte, dass Bundeskanzler Schüssel, Finanzminister Grasser, Wirtschaftsminister Bartenstein, Vizekanzlerin Riess-Passer und Verteidigungsminister Scheibner am 2. Juli in eine Sitzung gehen – Schüssel und Riess-Passer haben gesagt, sie waren Schiedsrichter, Grasser hat gesagt, er will F-18, Scheibner hat gesagt, er will Gripen und Bartenstein hat sich herausgehalten –, und dann kommen alle heraus und wie durch ein Wunder entsteht der Eurofighter.

Sie werden verstehen, dass es natürlich für uns sehr wichtig ist, was am Vorabend dieser Ereignisse, nämlich am 1. Juli 2002, in Fontana besprochen worden ist, als Stronach, Riess-Passer und auch Sie anwesend waren.

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Gut, aber dazu kann ich Ihnen keine erhellende Auskunft geben. Wir haben wahrscheinlich das Dessert gemeinsam eingenommen. Ich müsste meine Frau fragen, wie lange ich sie alleine gelassen habe.

Abgeordneter Dr. Günther Kräuter (SPÖ): Hat man sich an diesem Abend zu einer Besprechung zurückgezogen?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Nein, also eindeutig nicht – jedenfalls nicht mit mir. Wenn sich die anderen Damen und Herren zurückgezogen haben, entzieht sich das meiner Kenntnis.

Abgeordneter Dr. Günther Kräuter (SPÖ): Haben Sie eine Wahrnehmung an diesem Abend, dass sich die anderen, wie Sie es nennen, zu einer Besprechung zurückgezogen haben?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Muss ich sagen: nein. Ich weiß nicht, ob Sie die Örtlichkeit Fontana kennen. Dort ist ja nur das Restaurant, da gibt es einen großen Nebenraum, der normalerweise nicht benutzt wird. Und wenn es eine weitere Besprechung gibt, dann geht man rüber in die Hauptverwaltung.

Abgeordneter Dr. Günther Kräuter (SPÖ): Ich möchte noch einmal nachfragen: Warum sind Sie eigentlich zu diesem Abend eingeladen worden – wenn ich das so despektierlich fragen darf?

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Noch einmal: weil ich dabei war. Wir waren im gleichen Restaurant. Ich habe ein gutes Verhältnis zu Frank Stronach, der mich letztendlich auch eingestellt hat, und ich bin dazugeholt worden.

Abgeordneter Dr. Günther Kräuter (SPÖ): Wozu dazugeholt? – Das ist ja der springende Punkt. (Dipl.-Ing. Stockmar: Zum Abendessen!) – Aber so ein Abendessen wird ja wohl als Geschäftsessen ... – Wie gesagt: Am nächsten Tag ist die Typenentscheidung gefallen. Dieses Abendessen wurde ja wohl als Geschäftsessen durchgeführt.

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: In Managementebenen ist jedes Abendessen und jedes Essen ein Geschäftsessen.

Abgeordneter Dr. Günther Kräuter (SPÖ): Sehen Sie, das ist ja der entscheidende Punkt. Es hat am Vorabend ein Geschäftsessen gegeben. Ich frage mich jetzt, wenn diese Task Force für die Typenentscheidung irrelevant ist, warum Sie am Abend vorher, vor dieser Typenentscheidung, bei diesem Geschäftsessen sind.

Dipl.-Ing. Prof. Jürgen Stockmar: Gut, diese Frage müssen Sie sich weiter so stellen, ich kann sie nicht beantworten.

Obmann Dr. Peter Pilz: Gibt es noch weitere Fragewünsche? – Das ist offensichtlich nicht der Fall. Dann ist diese Befragung beendet! Danke für Ihr Kommen und die Antworten!

(Die Auskunftsperson Dipl.-Ing. Prof. Stockmar verlässt den Sitzungssaal. – Der Obmann kündigt die Abhaltung einer kurzen Geschäftsordnungssitzung an.)