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Generalstabspapier enthüllt:
Luftraumüberwachung mit 12 Flugzeugen bestenfalls noch Alibihandlung

Darabos "Mann fürs Grobe" - der Task-Force Chef Brigadier Jeloschek hat noch im ORF-Report am Dienstag die LRÜ mit 12 Maschinen als durchführbar bezeichnet. Die Einschränkungen, welche sich dadurch in der Praxis ergeben verschwieg er.
Foto: ORF/Report
Ein Beitrag im Ö1 Morgenjournal am Sonntag enthüllt: Die Pläne, welche dem Minister vom Generalstab vorgelegt wurden und angeblich eine Luftraumüberwachung mit nur 12 Abfangjägern als machbar erscheinen lassen, machen die Luftraumüberwachung zum Teilzeitjob.

Das Papier macht offenbar deutlich, dass die vollständige Wahrnehmung der friedensmäßigen Luftraumüberwachung nur mit den ursprünglich geplanten 24 Flugzeugen möglich ist.
Nur mit rund 4.000 Flugstunden im Jahr und 24 Flugzeugen ist der Pool an Piloten und Maschinen groß genug, dass rund um die Uhr Abfangjäger einsatzbereit gehalten werden können. Darunter beginnen div. Einschränkungen.

So ist bei der bestellten Stückzahl von 18 Flugzeugen und 1.800 Flugstunden/Jahr die Einsatzbereitschaft nur für 12 Stunden/Tag gewährleistet. Für 4-6 Wochen pro Jahr könnte die Einsatzbereitschaft der Abfangjägern auf 24 Stunden/Tag hochgefahren werden um Krisensituationen oder besondere Sicherungsmaßnahmen bewältigen zu können.

Und die Einschränkungen setzen sich weiter fort.
So scheint ein autonomer Betrieb des Geschwaders ab 14 Stück und darunter nicht mehr möglich. Div. Ausbildungs- und Logistikmaßnahmen müssten zu einer (NATO)-Partnerstaffel ausgelagert werden. Die Anzahl der Bereitschaftsstunden pro Tag sinkt. Ein Eventschutz wäre nur eingeschränkt möglich.

Mit 12 Flugzeugen schrumpft die Einsatzbereitschaft gar nur mehr auf eine 40 Stunden Woche! Die Stunden für Flug- und Simulatorlehrer müssen zu einer (NATO)-Partnerstaffel ausgelagert werden, womit die laufenden Kosten für externe Leistungen noch mehr steigen und die inländische Wertschöpfung entsprechend sinken würde. Hinzu käme, dass ein durchgehender Schutz von Veranstaltungen nur mehr "kurz und fallweise" zu gewährleisten wäre.
Haben Eurofighter-Gegner bisher drohend den NATO-Mitgliedschaft suggeriert eine Reduzierung auf 12 Maschinen zumindest für die Luftraumüberwachung faktisch der Anschluss an eine NATO-Geschwader. Ohne permanente Integration in eine größere Organisation der Betrieb aus eigenen Mitteln nicht mehr aufrechtzuerhalten.

Und noch etwas offenbart der Bericht. Wie airpower.at schon 2001 in "Plädoyer für den Zweisitzer !" geschrieben hat, brächten Zweisitzer durchaus Vorteile. Vor und während der Beschaffung haben jene Kräfte im BMLV die Oberhand behalten, welche den Zweisitzern höhere Logistikkosten und geringeren Nutzwert zusprachen. Inzwischen dürfte sich diese Sichtweise geändert haben. Der operationelle Nutzen von Zweisitzern ist kaum geringer - die Leitungsdefizite gegenüber Einsitzern so weit draußen im Grenzbereich der Physik, dass sie faktisch nicht ins Gewicht fallen. Und offenbar wird jetzt doch klar, dass die Einsparungen durch Ausbildung mit eigenen Mitteln offenbar doch höher ist als die Mehrkosten der Zweisitzer-Logistik.
Selbst Bundesminister Scheibner haben diese Argumente in einem Interview mit Georg Mader überzeugt, aber auch er konnte sich offenbar nicht durchsetzen.

Insgesamt erscheint es jedenfalls höchst seltsam, dass jene politischen Kräfte welche die Neutralität wie ein Heiligtum vor sich hertragen, einer Reduktion das Wort reden welche die Souveränität im Luftraum faktisch abschafft.
Das Bundesheer wird zur permanenten intensiven Zusammenarbeit mit NATO-Geschwadern auf operationeller Ebene genötigt - nur um mit dem verbleibenden Rest den Anschein einer Luftraumüberwachung aufrechterhalten zu können. Deren faktisch stark eingeschränkter Nutzen rechtfertigt aber die immer noch beträchtlichen Kosten dann nicht mehr.

Medienberichte:
24. Juni 2007, Ö1 Morgenjournal (mp3)
22. Juni 2007, FM4 (englisch!, mp3)
ORF-On: Zwölf, 14, 18 oder 24?
Der Standard: 12 Jets reichen nur für "Bürozeiten"

Martin Rosenkranz