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Jugoslawien zerfällt

MiG-21 Versionen im Dienst der jugoslawischen RViPVO:

Nach Stalins Tod verbesserten sich die Beziehungen zwischen Tito-Jugoslawien und der Sowjetunion unter Chrustschow wieder und in weiterer Folge trafen im September 1962 die ersten MiG-21F-13 auf dem Flugplatz Batajnica nahe Belgrad ein. Insgesamt erhielt Jugoslawien über die Jahre mehr als 260 (!) MiG-21 verschiedener Versionen, die jeweils eine eigene Bezeichnung, L- = Lovac (Jäger) für Einsitzer, NL- für Doppelsitzer erhielten. Im einzelnen wurden geliefert: MiG-21F-13, MiG-21PFM, MiG-21R, MiG-21M, MiG-21MF, MiG-21bis, MiG-21U, MiG-21US, MiG-21UM.
Die Reihenfolge verlief wie folgt: 1962: 45 MiG-21F-13 (L-12), 1965: 9 bzw. 18 MiG-21U (NL-12), 1967 (oder 1968): 36 MiG-21PFM (L-14), 1969: 9 MiG-21US (NL-14), 1970: 12 MiG-21R (L-14i) und 25 MiG-21M (L-15) 1975: 6 MiG-21MF (L-16) und schließlich ab 1977: 100 MiG-21bis (L-17). Das genaue Lieferdatum der 24 (35) MiG-21UM (NL-16) ist nicht bekannt, die letzten Maschinen sollen jedoch erst Anfang der 80er Jahre eingetroffen sein.
Während die F-13 wiederum bereits ab 1980 außer Dienst gestellt wurden, gingen die verbliebenen Varianten fast vollständig in den Bestand der Luftstreitkräfte der heutigen Föderativen Republik Jugoslawien über. Während der NATO- und US- Operation "Allied Force" 1999 (Kosovokrieg) wurden die MiG-21 kaum eingesetzt, zu gering standen deren Chancen. In die Schlagzeilen kamen sie jedoch als sie - nach wochenlangem sündteurem Bombardement - nach dem Friedenschluss einfach aus speziellen Stollen in Pristina-Slatina geholt und nach Serbien überflogen wurden, bzw. durch die Beteiligung einer MiG-21 am Abschuss eines F-117. Die verbliebenen R-Aufklärer dienen nach wie vor in einem Detachment bei der 353. IAE in Batajnica nahe Belgrad.
Als im Sommer 1991 der Bürgerkrieg mit Slowenien und später Kroatien begann, wurde der - überproportional - grossen Anzahl kroatischer Piloten in der JRV in den Einheiten immer mehr Misstrauen entgegengebracht und Peresin brachte sicherheitshalber Frau und Tochter nach Kroatien in Sicherheit. Da er immer wieder Einsätze gegen kroatisches Territorium fliegen musste und dabei allein am 24. Oktober 1991 zwei MiG-21 bei Sisak und Letovanic verloren gingen, fasste er den Entschluss, bei nächster Gelegenheit zu fliehen. Als er bereits am nächsten Morgen zu einer visuellen Beobachtungsmission - die Kamerabehälter und Auswerteanlagen für die Aufklärungsmaschinen waren schon länger defekt - von Truppenbewegungen eingeteilt wurde und die Wetterbedingungen in mittlerer Höhe dabei immer schlechter wurden, forderte der - inzwischen zusätzlich - als Flugwetterexperte ausgebildete Peresin seinen Verband auf, die Operation abzubrechen. Während die MiGs nach Bihac zurückdrehten, nutzt Peresin die Gelegenheit, sich in den Wolken nach Norden abzusetzen und in den Tiefflug überzugehen. Da die wenigen Flugplätze in Kroatien damals nicht instrumentiert benutzbar waren und das Wetter Ende Oktober keine VFR-Landungen zuliess, entschloss sich Peresin weiter nach Österreich zu fliegen, was er auch schon öfter überlegt und durchkalkuliert habe. Seine grösste Sorge habe in diesem Zusammenhang dem erfolgreichen Unterfliegen der eigenen (Jugoslawischen) Radaranlagen gegolten - und nicht jenem der Österreicher.

"Österreichische" Lösungen

Auf Grund einer neutralitätspolitisch zumindest fragwürdigen Entscheidung der damaligen Regierung - dem Vernehmen nach auf Betreiben des damaligen Aussenministers Alois Mock - verliess Ing. Peresin schon vier Tage später Österreich - sehr zum Unterschied zu seinem Flugzeug. Jenes verblieb nach seiner Ausreise vorerst in Klagenfurt - und um darum entspann sich in den folgenden Wochen eine erbitterte diplomatische Auseinandersetzung: Belgrad verlangte in scharfen Demarchen die Herausgabe des Flugzeuges, Kroatien ersuchte Österreich ebenso eindringlich, dies nicht zu tun. Wohl in Unkenntnis der genauen Version der MiG-21 rief Andreas Khol - damals noch außenpolitischer Sprecher der ÖVP - dazu auf, zu verhindern, dass die Maschine wieder Bomben auf Frauen und Kinder in Kroatien abwerfe. Notfalls müsse ihr Start in Richtung Serbien mit einer Menschenkette verhindert werden, sagte Khol, er selbst würde sich in die erste Reihe stellen.

...Kommt Zeit, kommt Rat...
Das war aber nicht notwendig, denn die österreichische Bundesregierung entschloss sich ohnehin, die Sache in die Länge zu ziehen. Mittlerweile hatte auch Kroatien Ansprüche auf die Maschine angemeldet, was willkommene Gelegenheit zu ausgedehnten völkerrechtlichen Untersuchungen, Gutachten und Erörterungen zwischen vier Ministerien bot. Bundeskanzler Franz Vranitzky sagte damals dazu in einem Radio-Interview den prophetischen Satz: "Wir sind Österreicher und daher für 'österreichische Lösungen' zuständig." Außenminister Alois Mock meinte, die Prüfung der Angelegenheit werde viele, viele Wochen in Anspruch nehmen, was noch eine glatte Untertreibung war. Die MiG 21R wurde jedenfalls nie rückgestellt - weder an Serbien noch an Kroatien. Im Dezember 1991 wollte die jugoslawische Armee einen Trupp Techniker nach Österreich schicken, um die Maschine zu warten, doch dazu kam es nicht mehr. Die MiG wurde im Hangar des Hubschrauber-Stützpunkts des Heeres am Klagenfurter Flughafen eingemottet. Als sie dort im Weg war, wurde sie im Herbst 1994 zerlegt und nach ins Heeresmunitions-Depot nach Großmittel in Niederösterreich transportiert und dort eingelagert. Auf Teile davon sollen angeblich am nahegelegenen Schiessplatz Felixdorf Beschusstest durchgeführt worden sein.

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Letzte Aktualisierung: 23.02.2002